Gestern bin ich mal wieder mit der Deutschen Bahn gefahren und musste im Bord-Bistro erstaunt feststellen, dass die Ära von Pepsi bei der Bahn bald vorbei sein wird: Ende Juli stellt die Bahn komplett auf Coca-Cola um. Bereits jetzt werden wohl schon einige Züge mit Coca-Cola statt Pepsi beliefert, wobei das bei mir noch nicht der Fall war.

Ich persönlich finde den Schritt gut, da ich Coke lieber mag als Pepsi. Andererseits ist es natürlich ein weiterer Schritt hin zum Coca-Cola-Monopol… Tja, hätten sie doch mal eine alternative Cola-Sorte ausprobiert.

Forenmitglied kosmocolafan ergänzt:

Die alternativen Hersteller und Distributoren werfen sich nun auch nicht unbedingt der Bahn an den Hals.

Ich persönlich habe da eh nie was gekauft und bin seit letztem Winter kurz davor, diese Rumpelstrategen aufs Abstellgleis zu verbannen.

Von einem Coca-Cola-Monopol ist Deutschland zum Glück weiter entfernt denn je. Der Markt hat sich im Vergleich zu vor zehn Jahren verbreitert und vermutlich nicht verschlechtert.

Generell reißt du natürlich ein interessante Materie an: Wo in der deutschen (oder auch woanders, aber D werden die meisten am besten kennen) Gastronomie wurden und werden andere Colas als Coke und Pepsi ausgeschenkt? Denn gerade dieser Bereich ist ja von den Marktführern schon sehr lange sehr viel stärker dominiert als der Einzelhandel. In den letzten Jahren scheint sich auch hier dieser Trend etwas aufzuweichen. In Hannover könnte ich aus dem Stand fünf, sechs Beispiele nennen, am zentralsten wohl das Mezzo und das O’Curry, die Afri servieren.
Dann ist da der Blick in die Vergangenheit: Wer ist schon früh seinen eigenen Cola-Weg gegangen? Ich würde da als erstes an Gasthäuser mit angeschlossener Brauerei denken, können aber auch andere sein.
Und: mir ist manches von Knebelverträgen zu Ohren gekommen, die Gaststätten über Jahre an einen der Großen binden. Wie sehen diese Verträge aus? Kann man sich aus diesen Verträgen rauswinden und wenn ja, um welchen Preis? Wenden andere, weniger große Colahersteller ähnliche Methoden an?

Man könnte desweiteren auch über Colas sprechen, die in anderen Ländern in der Bahn oder Verkehrsmitteln bereitgestellt werden.

Themen über Themen.

Die Deutsche Bahn mit all ihren Zügen und damit rollenden Restaurants wird einiges an Cola-Umsatz haben. Von daher wundert es mich auch nicht, dass die Entscheidung nur zwischen den ganz großen Cola-Produzenten fallen konnte. Und geschmacklich liegen Pepsi und Coke – aus meiner Sicht – nicht sonderlich weit auseinander, zumindest im Vergleich mit anderen Sorten.

In München mache ich auch die Erfahrung, dass tendenziell immer mehr Gastronomien alternative Colas ausschenken: Kleine Imbissläden bieten plötzlich fritz-kola an, Discos schenken die schicke afri aus. Je konventioneller und größer die Restaurants/Bars/Cafés, desto seltener sieht man dort jedoch die kleineren Cola-Sorten. Bei Getränkehändlern wird einem Cola-technisch meist deutlich mehr geboten. Und selbst der Tengelmann-Supermarkt in meiner Nähe führt neben Coca-Cola und Pepsi noch afri, Sinalco und Red Bull Cola (und eine Kindercola in gruseligen Plastikfläschchen, an die ich mich noch nicht getraut habe).

Ob es eine Art Knebelvertrag von Coca-Cola gibt, würde mich auch sehr interessieren. Es ist schon auffallend, dass nur wenige Läden alternative Colas UND Coca-Cola anbieten. In der Regel entscheiden sie sich für eine Sorte. Und leider ist Coca-Cola ziemlich attraktiv für die Gastronomie: Die Palette an Getränken ist breit, fast jeder Getränkelieferant bietet sie, alle Kunden kennen sie und – last but not least – ist Coke einfach sehr, sehr billig. Premium Cola kostet beispielsweise fast das Doppelte, afri und fritz liegen irgendwo dazwischen. Ich vermute daher, dass es häufig auch eine Kostenfrage ist, die eine Rolle spielt.

Zur breiten Produktpalette von Coca-Cola: Ich glaube, das ist der Hauptgrund, warum nun auch Firmen wie fritz-kola und bald Premium Cola verschieden Limonaden auf den Markt bringen. Klar, sie können dadurch auch den positiven Markennamen auf andere Produkte übertragen. Aber gleichzeitig bieten sie so der Gastronomie einen vollwertig(er)en Ersatz für Coke, Fanta, Sprite und Apfelschorle an.

Dazu kosmocolafan:

Ja, so lang ist’s noch gar nicht her. Schwelge gerade in Anfangstagen des Forums und lache ein wenig in mich hinein bei diesem Versuch, aus einer schnöden Einzelmeldung ein zugkräftiges Thema zu stricken. Du bist ja sogar drauf eingestiegen.

Bahn bin ich seit einiger Zeit nicht mehr gefahren, beinahe ist sie mir egal geworden.

Die von mir geschilderte Entwicklung jedenfalls hat nichts an Aktualität verloren: Afri, Fritz und Co haben in Hannovers Kneipen und Restaurantlandschaft nicht nur Fuß gefasst, sondern wer trendig sein will, der kommt an alternativen Colas gar nicht mehr vorbei. Und sogar in die traditionellere oder konservativere Gastronomie halten sie mehr oder mehr Einzug: Gestern kam ich zu meiner überfälligen ersten Auswärts-Fritz, und das in einer urigen Altstadt-Kneipe in Hannovers Innenstadt, wo ich einfach nur Fußball gucken wollte und nichts dergleichen erwartet hatte! So weit her scheint es mit den Knebelverträgen also doch nicht immer zu sein oder sie werden gebrochen oder Auflagen werden in Kauf genommen oder aber Coca-Cola und Pepsi machen Zugeständnisse.
Nicht weit weg hat eine Luxus-Dönerbude mit Fritz auf der Getränkekarte eröffnet. In Linden, Hannovers Gegenstück zu Kreuzberg, gehört sie zum Standardprogramm.
Und ein Lokal in der Nordstadt schenkt gar Hermann-Kola aus.
Manch einer greift auch zu Bios Coola, Bionade Cola, Sinalco Cola.
Erstaunlicherweise hält die etablierte Marke Afri mit diesem Zuwachs nicht ganz mit: seit drei Jahren ist mir kein neuer Kunde in Hannovers Gastronomiegewerbe bekannt.

Hannover ist experimentierfreudig, was den Konsum angeht, aber in anderen Städten wird die Tendenz nicht viel anders aussehen nach dem, was man so hört.
Meine Mutter wohnt z.B. in München. Ich hatte das bisher immer verheimlicht, um Fabian in seiner Kosmo-Cola-Recherche anzutreiben, aber jetzt kann ich’s sagen – deswegen auch meine profunden Ortskenntnisse. Vor zwei Jahren habe ich sie mit der Fritz-Kola bekannt gemacht, damals noch bei Heilbrunnen Pachmayr in der Theresienstraße gekauft. Seit diesem oder letztem Jahr kaufte sie sich ihre Fritz-Kola selber – bei ihrem Edeka. Bis diese dort von der Bionade Cola verdrängt wurde, worüber sie sich beschwerte. Wenn man diese Dynamik jetzt mal auf die Schankwirtschaft überträgt…

Ich denke, dass das Internet stark zur Verbreiterung der Konkurrenz beigetragen hat und dass auch die Qualitätsstandards gerade der neuen Produkte vom Endverbraucher gewürdigt werden. Schön, dass dieser Trend zur Getränkevielfalt beim Einzelhandel nicht Halt gemacht hat.
Irgendwann wird er sicher auch mal Grenzen haben und vielleicht auch ein Gegentrend einsetzen, aber bis dahin darf es ruhig noch dauern – finde ich.

Ganz besonders erhoffe ich mir, dass die Angebotspalette ein Nachdenken über nachhaltiges Wirtschaften in Gang setzt! Kneipen sind ja auch Orte, um darüber ins Gespräch zu kommen.

 

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